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Unterstützte Kommunikation (UK)

WAS IST EIGENTLICH UK?

Unterstützte Kommunikation (UK) ist die deutsche Bezeichnung für „Augmentative and Alternative Communication“ (AAC). Das bedeutet, dass die Lautsprache durch Unterstützte Kommunikation ergänzt oder ersetzt wird. Vorhandene Möglichkeiten, über Lautsprache zu kommunizieren, werden genutzt und dann ergänzt, wenn es erforderlich ist.
Unterstützte Kommunikation bietet also Kindern, die Schwierigkeiten haben, über Lautsprache zu kommunizieren, Alternativen, um sich mitteilen zu können. So soll vermieden werden, dass Kommunikation für diese Kinder immer wieder mit Frustrationserlebnissen verbunden ist.

FÜR WEN IST UNTERSTÜTZTE KOMMUNIKATION GEEIGNET?

BRAUN unterscheidet wie TEZCHNER und MARTINSEN drei Zielgruppen:

1. Menschen, die Lautsprache gut verstehen können, aber unzureichende Möglichkeiten besitzen, sich selbst auszudrücken.
(UK als expressives Kommunikationsmittel)
In diese Gruppe fallen zum Beispiel Kinder mit einer schweren Dysarthrie oder Anarthrie, die ein gutes Sprachverständnis haben. Da bei diesen Kindern durch die motorische Behinderung die Lautsprache nicht möglich ist, bietet die Unterstützte Kommunikation eine Alternative.

2. Menschen, die Unterstützung zum Lautspracherwerb benötigen, bzw. deren lautsprachliche Fähigkeiten nur dann verständlich sind, wenn sie bei Bedarf über ein zusätzliches Hilfsmittel verfügen.
(UK als Unterstützung für die Lautsprache)
Bei Kindern in dieser Gruppe ist die Kommunikation über Lautsprache eingeschränkt möglich, es kommt jedoch zu Verständigungsproblemen. Probleme können zum Beispiel im Gespräch mit fremden Menschen auftreten, wenn diese die Aussprache nicht richtig verstehen.
Die Unterstützte Kommunikation kann hier helfen, Verständigungsprobleme zu vermeiden.

3.Menschen, für die Lautsprache als Kommunikationsmedium zu komplex ist und die daher eine geeignete Alternative benötigen.
(UK als Ersatzsprache)
Bei Kindern in dieser Gruppe ist neben dem Sprechen auch das Sprachverständnis beeinträchtigt. Dies kann zum Beispiel bei mehrfachbehinderten Kindern der Fall sein, wenn die Körperbehinderung von einer geistigen Behinderung begleitet wird.
(vgl. Braun, 2003)

ERFOLGREICHE UK BESTEHT AUS VERSCHIEDENEN KOMPONENTEN

Eine erfolgreiche Unterstützung der Kommunikation setzt ein sehr individuell erarbeitetes Kommunikationssystem voraus. Dieses System besteht aus verschiedenen Komponenten:

1. Körpereigene Kommunikationsformen
Körpersprache, das heißt Gestik, Mimik und Körperhaltung, sowie Gebärden gehören zu den körpereigenen Kommunikationsformen.

2. Elektronische und /oder nichtelektronische Kommunikationshilfen
Symbole, zum Beispiel auf Tafeln oder in Kommunikationsmappen, sind nichtelektronische Kommunikationshilfen. Sprachausgabegeräte zählen zu den elektronischen Kommunikationshilfen.
Körpereigene Kommunikation kann durch Kommunikationshilfen ergänzt werden und umgekehrt. Je mehr Mittel zur Kommunikation eingesetzt werden, desto besser ist das richtige Verständnis der Mitteilung gesichert.

3. Selektion, d.h. die Auswahl eines Elements der Kommunikationshilfe und die dafür evtl. notwendigen Selektionshilfen
(Taster, Maus oder Mausersatzgeräte, Fingerführung, Augensteuerung u.a.)
Die Kommunikationshilfen müssen optimal an das Kind angepasst sein, so dass es sie leicht bedienen kann.

4. Das Vokabular, das mit den körpereigenen und externen Möglichkeiten ausgedrückt werden kann
Das verfügbare Vokabular sollte sich am Alltag des Kindes orientieren und Wörter enthalten, die in der Alltagssprache um das Kind herum verwendet werden. Das Vokabular muss so gewählt werden, dass es gut kombiniert werden kann und so vielfältige Inhalte mitgeteilt werden können.

5. Kommunikationsstrategien,
d.h. die Fertigkeiten der kommunizierenden Person, die dazu dienen, die Kommunikationshilfe, die körpereigenen Kommunikationsformen, die Symbole und Techniken so einzusetzen, dass sie möglichst effektiv die Kommunikation verbessern und beschleunigen.
Kinder, die nicht oder nur eingeschränkt über Lautsprache kommunizieren, haben oft ein Defizit an Kommunikationserfahrungen. Kommunikationsstrategien, die in einer Gesellschaft als selbstverständlich gelten, müssen eventuell erst erlernt und mit den individuellen Kommunikationsmitteln umgesetzt werden.
(Zum Beispiel: Zusammenhang von Frage und Antwort, Regeln der Gesprächsführung usw.)
(vgl. Pivit, 2003)

UNTERSTÜTZTE KOMMUNIKATION KANN NICHT ZU FRÜH BEGONNEN WERDEN

Es ist wichtig, Kindern, die Schwierigkeiten in der Kommunikation haben, möglichst früh Unterstützung anzubieten. So bleiben den Kindern frustrierende Erfahrungen erspart und der Druck sprechen können zu müssen, den viele Kinder spüren, wird genommen. Durch Hilfen in der Kommunikation wird auch die Situation und Interaktion in der Familie erleichtert.
Durch Unterstützte Kommunikation kann das Kind seine Wünsche und Bedürfnisse mitteilen und die Eltern haben weniger Probleme zu verstehen, was das Kind braucht. Für das Kind wird es zudem einfacher, sich mit Menschen zu verständigen, die seine individuellen Kommunikationsstrategien nicht so gut kennen.

INDIVIDUELLE VORAUSSETZUNGEN FÜR DIE UK

Um die geeigneten Kommunikationsformen für ein Kind zu finden, ist es wichtig, zunächst festzustellen, welche Fähigkeiten das Kind bereits hat, welche Mittel es bisher zur Kommunikation benutzt und welche Interessen es hat.
Nachdem die Voraussetzungen des Kindes genau analysiert wurden, müssen geeignete Kommunikationsformen gefunden werden.

KOMMUNIKATIONSANBAHNUNG

Zur Anbahnung der Unterstützten Kommunikation muss das Kind zunächst die Erfahrung machen, dass seine Zeichen eine Wirkung haben. Diese Zeichen können Gesten, Laute, Blicke sein, oder aber die Betätigung einer Taste.
Hierfür eignet sich Hilfsmittel aus dem Bereich der Kommunikationsanbahnung, zum Beispiel:

  • BIGMack, LITTLEMack usw., ein einfaches Sprachausgabegerät mit einem Schalter, das auf Tastendruck eine aufgenommene Sprachmitteilung oder auch ein aufgesungenes Lied abspielt.

  • adaptierte Spielzeuge, die durch einen Taster aktiviert werden können.

  • PowerLink, ein Stromunterbrecher, an den verschiedene elektronische Geräte angeschlossen und über einen Taster bedient werden können (zum Beispiel Kassettenrekorder, Mixer, Ventilator...)

Das Kind kann so die Erfahrung machen, dass seine Handlung eine bestimmte Wirkung hat.

Oft ist es sinnvoll, verschiedene Formen der Unterstützten Kommunikation zu kombinieren, beispielsweise Gebärden und der Einsatz einer Kommunikationshilfe. Sprechende Menschen nutzen im Alltag ebenfalls nicht nur die Sprache als Kommunikationsmittel, sondern auch Mimik, Gestik, Körpersprache, einfache Gebärden usw.
Um die richtige Kommunikationsform für ein Kind zu finden, gilt es, sich erst einmal zu informieren, welche Möglichkeiten der Unterstützten Kommunikation es gibt.

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